Neue Preise im VMT – Bahnfahrer erneut auf der Verliererseite
Alle Jahre wieder werden die Preise für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr erhöht. Die Bahn tut es, die Nahverkehrsunternehmen tun es – da ist es nicht verwunderlich, wenn auch der VMT eine neuerliche “Preisanpassung” vornimmt. Vor zwei Tagen bekam ich das gewohnte Schreiben vom Abo-Center der DB Vertrieb GmbH, in welchem die Notwendigkeit einer Tariferhöhung wie folgt dargelegt wird:
Da die im Verkehrsverbund des VMT kooperierenden Verkehrsunternehmen in den letzten Jahren mit erheblichen Kostensteigerungen konfrontiert wurden und für 2009 weitere Kürzungen der Zuschüsse von Land und Kommunen für den Öffentlichen Personennahverkehr anstehen, wird eine Tariferhöhung notwendig.
Mit einer Erhöhung um 3 bis 4 Prozent hatte ich gerechnet, denn dies kommt in etwa der Erhöhung der DB-Tarife gleich. Und so war ich zwar nicht erfreut, aber doch beruhigt, als ich weiterlas:
Die Preise für den Tarif des Verkehrsverbundes Mittelthüringen steigen somit zum 01.02.2009 im Durchschnitt um 3,3 %.
Umso geschockter war ich, als ich ein paar Absätze weiter unten die tatsächliche Preiserhöhung präsentiert bekam. Für die Strecke Weimar-Jena werden im Abo statt bisher 86,90 € nun 93,80 € monatlich fällig. Das ist eine Erhöhung um 7,94 %!
Wie Hohn klingen da folgende Worte, entnommen dem gleichen Brief:
Insbesondere Sie als Abo-Kunde sparen seit Einführung des Verbundtarifes Mittelthüringen Tag für Tag! Wenngleich auch die Abo-Zeitkarten preislich angepasst werden mussten, so ändert sich nichts an dem bestehenden günstigen Preisniveau des Verbundtarifes Mittelthüringen.
Geht’s noch? Seit Einführung des Verbundtarifs im Jahr 2006 hat sich meine Fahrkarte um 38 % verteuert! Gern möchte ich wissen, wo ich in dieser Rechnung “Tag für Tag” spare. Die Tatsache, daß Nur-Bahnfahrer durch den Verbundtarif eindeutig zu den Verlierern gehören und überdurchschnittliche Mehrbelastungen zu schlucken haben, wird vom VMT nach wie vor als Kollateralschaden angesehen nach dem Motto: “Selber schuld, wenn Sie nicht zusätzlich Bus und Straßenbahn fahren.”
Das Jahr fängt gut an …
Beseitigung einiger VMT-Mängel im neuen Jahr » « OTZ-Leserbrief zum Verbundtarif
11. Januar 2009, 09:31 Uhr
Tja, so ist das im Leben!
Meine Bockwurstpackung (3 Stück) hat sich von 1,09 EUR innerhalb einer Sekunde auf 1,39 EUR verteuert!
Und was bleibt mir übrig? Entweder ich kauf sie, oder laß es bleiben!
Und seit 2004 hat sich der Preis für den Kabelanschluß ebenfalls um 30% erhöht!
Das mit der Bahn ist also nicht die erste drastische Preiserhöhung und wohl auch nicht die letzte!
Letztes Jahr blieben bei der Tarifanpassung aber die Abokunden verschont, nun eben mal nicht!
12. Januar 2009, 09:54 Uhr
Lieber Bockwurstfan,
woher nehmen Sie die Info, daß Abokunden im letzten Jahr von einer Tariferhöhung verschont geblieben sind? Die Preisentwicklung auf der Strecke Weimar-Jena im Abo sieht folgendermaßen aus:
68,20 € (03/2006, vor Einfühurng des VMT-Tarifs)
78,70 € (04/2006)
82,70 € (04/2007)
86,90 € (04/2008)
93,80 € (02/2009)
12. Januar 2009, 12:04 Uhr
Ich meinte damit die Monatskarten in den Städten! In Jena wurden zum 1.4.2008 die Einzelfahrt sowie Kindereinzelfahrt teurer, der Preis für die Monatskarte usw blieb stabil.
12. Januar 2009, 21:11 Uhr
Die größeren Verlierer als die “Nur-Bahn-Fahrer” sind die Gelegenheitsfahrer in Erfurt! Die Vierfahrtenkarte wird um 11% (!!!) teurer, nämlich von 5,60 zu 6,20€. Damit lohnt sie sich eigentlich gar nicht mehr, da man pro Fahrt nur noch 0,15€ spart.
Zum Vergleich: 2005 sparte man bei der damals 5-Fahrten-Karte noch 26 ct. pro Fahrt.
13. Januar 2009, 09:24 Uhr
Hallo Christopher,
Danke für Ihren Hinweis! Diese drastische Teuerung läßt sich recht leicht erklären: Bisher genoß die EVAG trotz ihrer Mitgliedschaft im VMT eine gewisse Tarifautonomie. Z.B. gab es die von Ihnen angesprochenen Mehrfahrtenkarten, obwohl der Verbundtarif Mittelthüringen solche gar nicht vorsah.
Der VMT arbeitet – und das ist ja aus Sicht eines Verkehrsverbundes auch nachvollziehbar – an der Beseitigung aller “Extrawürste” der einzelnen Verkehrsunternehmen zugunsten eines im ganzen Verbundgebiet gültigen Tarifs.
Nun wird sich die EVAG geweigert haben, auf ihren Tarifbestandteil “Mehrfahrtenkarte” zu verzichten – aus berechtigter Angst vor dem Zorn der eigenen Fahrgäste. Also hat man wohl einen Kompromiß gefunden: Es werden jetzt im ganzen Verbundgebiet Mehrfahrtenkarten angeboten. Die dadurch für den VMT entstehenden Einnahmeausfälle bekommen die Kunden der EVAG zumindest anteilig aufgebrummt.
So ist das im VMT: Nur wer das Verbundangebot auch tatsächlich nutzt, also z.B. in Erfurt Straßenbahn fährt, dann in die Bahn umsteigt und nach Jena fährt, um seine Fahrt dort wiederum mit dem Bus fortzusetzen, profitiert vom Verbundtarif. Alle anderen, z.B. die Abokarten-Inhaber der Bahn, die BahnCard-50-Inhaber oder nun die Gelegenheitsfahrer im Stadtverkehr Erfurt, zahlen die Zeche. Eine erzwungene Solidargemeinschaft sozusagen.