Die Reise in vollen Zügen genießen

Bahnreisende auf der Strecke Weimar-Jena sind Kummer gewohnt. Die mangelnden Kapazitäten an Triebwagen bescheren ihnen seit Jahren überfüllte Züge mit viehtransportähnlichen Zuständen. Pünktlich zum Semesterbeginn verschärft sich die Situation dann stets durch die hohe Zahl mitreisender Studenten. Gestern eskalierte die Situation auf besonders drastische Weise.

Wie so oft setzte DB Regio nur einen Triebwagen ein und fuhr nicht, wie vom Land Thüringen bestellt, in Doppeltraktion. Den Berufspendlern und Studenten, die ja nicht einfach auf den nächsten Zug warten können, der erst eine Stunde später verkehrt, blieb nichts anderes übrig, als sich schlank zu machen und eng aneinander gepreßt die Fahrt anzutreten. Von Station zu Station verschärfte sich die Lage, bis schließlich auf der kurvenreichen Strecke von Großschwabhausen hinab nach Jena mindestens zwei Mitreisende einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Die OTZ berichtet in ihrer heutigen Ausgabe ausführlich:

Reisende in Ohnmacht gefallen
Züge zwischen Weimar und Jena überfüllt
Von OTZ-Redakteur Tino Zippel

Jena. Über mangelnden Zuspruch braucht sich die Bahn zwischen Weimar und Jena im Berufsverkehr nicht zu beklagen. Gestern war ein Zug derart überfüllt, dass Reisende sogar in Ohnmacht fielen.

Es passierte in der Regionalbahn, die 7.19 Uhr Weimar in Richtung Gera verließ. Wegen des Semesterbeginns an den Hochschulen sind seit einer Woche mehr Fahrgäste unterwegs, die Bahn setzte aber nur einen Triebwagen vom Typ 642 ein. “Die Sitzplätze reichen schon nicht aus, wenn der Zug mit zwei Wagen fährt”, berichtet ein Berufspendler. Doch gestern mussten sich die Reisenden in nur einen Wagen, der über 123 Sitzplätze verfügt, drängen. “Die Fahrgäste standen nicht nur in den normalen Gängen, sondern auch in den Zwischenräumen der Sitzplätze”, erzählt der Reisende weiter.

Auf der kurvigen Strecke bei Großschwabhausen quetschte die Menschenmenge die Reisenden, die Plätze an den Rändern ergattert hatten. “Eine Frau, die an der Tür lehnte, wurde erst weiß, dann gelb und fiel schließlich in Ohnmacht. Aber sie kippte nicht um, so eng war es.” In einem benachbarten Bereich sei ein Reisender aus Sauerstoffmangel ohnmächtig geworden.

Die Zugbegleiterin saß währenddessen mit in der Fahrerkabine, versuchte gar nicht erst, die Tickets zu kontrollieren. “Als ich in Jena fragte, entgegnete sie, dass sie gar nicht mitbekommen habe, dass der Zug so voll gewesen sei”, berichtet der Pendler.

“Normal fahren wir mit zwei Wagen”, sagt Bahnsprecher Jörg Bönisch. Gestern Morgen habe die Leitstelle entschieden, der Oberweißbacher Bergbahn einen Triebwagen abzugeben, da dort einer wegen einer Reparatur ausgefallen war. “Da an der Straße im Schwarzatal gebaut wird, stand statt der Alternative Schienenersatzverkehr nur der Totalausfall”, sagt Bönisch. Aus diesem Grund seien drei Regionalbahnen auf der Mitte-Deutschland-Schiene nur in einfacher statt doppelter Traktion gefahren.

Das wiederum ruft das Land auf den Plan. “Wir haben mehrfach angemahnt, dass die Bahn ihre Verträge mit uns erfüllen soll. Wir haben Doppelzüge bestellt”, sagt Dr. Thomas Sauer vom Verkehrsministerium. Ab heute will die DB Regio die Züge wieder mit zwei Wagen bestücken. Voll genug bleiben sie auf absehbare Zeit - erst, wenn 2013 der zweigleisige Ausbau zwischen Weimar und Jena abgeschlossen ist, können mehr als zwei Züge pro Stunde und Richtung rollen. “Dann bestellen wir mehr Fahrten”, sagt Sauer. Bis dahin heißt es: Genießen Sie die Reise in vollen Zügen.

(www.otz.de)

Aber was hat das alles mit dem Verkehrsverbund Mittelthüringen zu tun? Sicher trägt der VMT keine Verantwortung für den Mangel an ausreichender Wagenkapazität und Taktfrequenz. Aber Reisende im Bereich des Verbundtarifs Mittelthüringen zahlen teils deutlich höhere Preise als auf anderen Bahnstrecken. Es ist schon Skandal genug, daß Bahnfahrer seit 2006 für Leistungen bezahlen müssen, die sie zum großen Teil gar nicht in Anspruch nehmen wollen oder können (Kombinationsfahrten Bahn/Bus/Straßenbahn). Wenn aber zudem die Leistung, die sie tatsächlich nachfragen, nämlich im vorliegenden Fall das Bahnpendeln zwischen Weimar und Jena, in einer Qualität angeboten wird, die, handelte es sich bei den Transportierten um Schlachtvieh, sämtliche Tierschutzvereine und die EU-Kommission auf den Plan rufen würde, fragt man sich, mit welcher Berechtigung der VMT seine überhöhten Preise aufrechterhält.

Man schaue sich zum Vergleich mit den oben geschilderten Zuständen die schöne heile Werbewelt des VMT an. Alltenthalben genießen dort glückliche Menschen ihre unbegrenzte Mobilität in mäßig besetzten Zügen:

VMT-Reisende

(Quelle: www.voll-mobil-ticket.de)

Falsch ausgestellter Fahrschein macht Ausmaß der VMT-Preiserhöhungen deutlich » « Verbundtarife im Vergleich 

Ein Kommentar

  1. Bahn fahren !!!!!!!!
    17. Januar 2010, 13:06 Uhr
     

    Das Kennen wir !!!!!!!!!!!

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